Warnung: Ewigkeitstext
Ich würde gerne Mal fragen wie eure Erfahrungen mit ADHS Medikation sind und ggf nach Empfehlungen fragen.
Kurz zur mir Ich bin Anfang 30, bin vor ca 2 Jahren mit ADHS diagnostiziert worden (habe den Verdacht, dass ich zusätzlich im Spektrum sein könnte, Diagnostik steht auf der to do Liste, ist aber noch nicht in Arbeit), habe eine Familie mit einem Kind (Partnyperson und Kind ebenfalls mit ADHS diagnostiziert) und bin Lehrkraft.
Ich struggle gerade mit der Frage welche Medikation für mich gut funktioniert.
Vor meiner Diagnose bin ich nach der Arbeit völlig ausgebrannt auf der Couch gelegen und habe eigentlich nur noch in YouTube gestarrt und trotzdem meine "Aufgaben" kaum hinbekommen und mein "Anteil" was Haushalt und Care Arbeit angeht war sehr gering. Alles was auch nur im Ansatz Hausarbeit war (und sei es nur einen Teller vom Wohnzimmer in die Spülmaschine bringen) hat sich nach sich total aufraffen müssen angefühlt. Ich hab die Medikation zu Beginn mit das ganze Leben eine Bleiweste angehabt haben und sie endlich Mal für ein paar Stunden annehmen können verglichen. Tldr ohne Medikation war im Nachhinein ziemlich scheiße.
Nach der Diagnose hab ich erstmal Methylphenidat (Medikinet adult) bekommen. Ich hab mit 10mg + 10mg (morgens und mittags )gestartet und bin mit der Zeit auf 5mg + 5mg runter. Ich kann auf Methylphenidat sehr gut "funktionieren", bekomme meine Aufgaben gut hin und wirke fitter. Gleichzeitig fühle ich mich ein bisschen robotisch (einerseits leicht "fremdgesteuert" andererseits wird mein eh schon sehr geringer Emotionsausdruck durch die Medikation noch weiter gedämpft). Und Methylphenidat unterdrückt bei mir komplett das Gefühl von Erschöpfung. Das heißt zwar zum einen dass ich deutlich mehr geschafft habe auch nach Arbeitstagen und verfügbarer war, gleichzeitig bin ich halt konstant über meine Grenzen und mit sehr großer Zuverlässigkeit jeweils ca zwei Wochen vor jeden Ferien ziemlich zusammengeklappt und war eigentlich zu nichts mehr zu gebrauchen.
Ich bin aus diesem Grund vor ca. 4 Monaten auf Lisdexamphetamin umgestiegen (technisch gesehen Lisdexamphetamin dimesilat) und habe meine ideale Dosis nach etwas herumprobieren bei 12mg gefunden (ich brauche durch die Bank bei so ziemlich allem eine geringe Menge an Wirkstoffen). Mein persönlicher Eindruck von Lisdex war bis jetzt eigentlich sehr positiv. Ich habe einen kleinen pharmazeutischen "Tritt in den Hintern" durch den ich meine Aufgaben besser hinbekommen kann, fühle mich aber nicht robotisch, wodurch ich gefühlt einen besseren Zugang zu meiner Kreativität etc habe. Und ich fühle aber gleichzeitig wenn die Löffel für den Tag durch sind und mache dann langsam. Meine Beziehungsperson hat mir aber in letzter Zeit häufiger rückgemeldet, dass ich zum einen insbesondere nach Arbeitstagen quasi nur noch auf der Couch herumliege. Ich schaffe meinen Anteil an Haushalt und Care Arbeit nicht mehr so gut. In Streits reagiere ich außerdem seit ich Lisdex nehme spürbar verbal aggressiver (z.B. durch passiv aggressive Kommentare). In Kombination führt es dazu dass sie mich sowohl allgemein als auch im Umgang mit ihr und meinem Kind entweder als wie depressiv abwesend oder aggressiv liest. Und wenn ich das ehrlich reflektiere, kann ich nachvollziehen woher dieser Eindruck kommt. Ich verschmelze ja wirklich faktisch mehr mit der Couch, habe weniger Antrieb und ich bin in Streitsituationen schneller dabei verletzende Dinge zu sagen.
Lisdex ist also offensichtlich auch nicht der Weisheit letzter Schluss (wenn ich die Dosierung senke, merke ich zu wenig und bekomme den Hintern nicht hoch, wenn ich mehr nehme, treibt mich die Spannung im Kiefer in den Wahnsinn). Gleichzeitig bin ich ja auch bewusst weg von Methylphenidat. THC macht mich absolut verklatscht, sodass ich nicht funktionsfähig bin (und ich habe auch keine Lust bewusst eine Toleranz aufzubauen damit das nicht mehr so ist), außerdem ist mein Neurologe kein Fan von Cannabis als Behandlung. CBD hilft mir bei meiner Symptomatik, aber ich werde leicht unkonzentriert und tollpatschig, was mit Chemieunterricht geben nicht vereinbar ist (außerdem möchte meine Beziehungsperson nicht, dass wir vor unserem Kind irgendwelche Substanzen konsumieren, was ich auch teile). (Erwerbsarbeitsstunden reduzieren geht aus finanziellen Gründen leider nicht wirklich.)
Daher wollte ich Mal in die Runde fragen: Hat jemand von Euch ähnliche Erfahrungen gemacht und wenn ja, wie geht ihr damit um?
Was für Tools/Medikation habt ihr um einerseits mit der Belastung durch Erwerbsarbeit und Carearbeit umgehen zu können und andererseits nicht dauerhaft an der Belastungsgrenze zu sein und emotional für Beziehungs/Bezugspersonen da sein zu können?
Kapitän, mein Kapitän?