this post was submitted on 13 Apr 2026
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Die Gehirnakrobatik von Nato-Sofagenerälen wie dir, die sich dann paradoxerweise doch letztlich aufs Völkerrecht berufen wollen, weil man sich dann moralisch irgendwie legitimiert fühlt, ist immer wieder erstaunlich.
Letztens noch "wenn die Ukraine aufhört zu kämpfen, gibts morgen keine Ukraine mehr - wenn Russland aufhört zu kämpfen ist Frieden" aber die gleiche Logik auf die USA anwenden wäre dann zu viel verlangt, vielleicht weil du den Quatsch vom Atomprogramm noch glaubst oder der Erzählung die USA hätten hier irgendwelche "legitimen Interessen" in den Verhandlungen anzumelden?
Nachdem die USA nun mit ihrem zweiten unprovozierten Großangriff gezeigt haben, dass keine Absprache, keine Diplomatie, keine Zusage irgendwie Sicherheit schafft - analog zu den pro-ukrainischen Argumenten Russland hätte sich ja auch nicht an die Sicherheitsgarantien gehalten, die die Ukraine nach Abgabe der Aromwaffen und später nochmal 2014 bekommen hat und man könne deshalb nicht auf Verhandlungen mit Putin setzen ohne militärisch abzuschrecken -, ist es folgerichtig, dass der Iran halt da die Daumenschrauben ansetzt, wo es weh tut. Rumnörgeln über Mitbetroffenheit sollten wir nicht, solange wir nicht bereit sind gegen die USA vorzugehen und uns weiter ihre Verbündeten schimpfen.
Einfach aufhören den Iran zu bomben und Israel zurückpfeifen wäre halt nicht nur eine Alternative, sondern das Richtige an der Stelle, um weitere Opfer zu vermeiden - und alle anderen Staaten sollten auf die USA und Israel unter Druck setzen, dass das schnellstmöglich passiert.
Und tu bitte nicht so, als ob die Blockade von Handelsrouten, Embargos etc. neu wären, die verhängt der Westen schon seit Jahrzehnten gegen Staaten, die uns nicht passen - nicht zuletzt aktuell Kuba. Jetzt triffts halt mal uns und plötzlich wittern wieder alle einen unverzeihlichen Regelverstoß, der Tür und Tor für Battle Royale öffnet.
Wird halt niemals passieren solange Trump sein "Alpha"-Präsidenten-Image aufrecht erhalten will... da würde er bei seinen Wählern ja als "Feigling" dastehen...
Bei wem denn? Der Iran bittet alle Schiffe zur Kasse, ganz unabhängig davon, woher sie kommen - und nicht etwa nur amerikanische oder israelische. Wo macht das Sinn?
Welche internationale Schifffahrtsroute haben wir für alle (!) anderen blockiert? Hier fahren ja sogar noch fröhlich russische Schattenflottentanker vor unserer Küste rum. Sollen die Dänen und Schweden jetzt alle Schiffe von und nach russischen Ostseehäfen beschießen, wenn sie durch den Öresund wollen?
Saudi arabien, kuwait, oman welche den Löwenanteil des exports durch die meerenge haben und welche US militär garantien gegen permanente basen und USD Öl handel getauscht haben. Das ist definitiv relevanter Druck auf die USA.
Iran kassiert die Maut jedoch bisher von bspw. chinesischen oder indischen Schiffen. Also solchen, die nicht Teil der feindlichen US-Sphäre sind.
Schiffe, die von Teheran als feindlich eingestuft werden, dürfen überhaupt nicht passieren.
Diese Länder sind neutral. Freundlich sind die, wo die Botschafter ausgewiesen wurden oder die sich anderweitig auszeichnen wie Irak und Spanien.
Angriff auf den politischen Willen, der den Krieg vorantreibt: Je unangenehmer die Konsequenzen des Angriffs der US-Israeli-Koalition für alle anderen sind, desto größer der außenpolitische Druck. Trump mag auf keine diplomatische Vernunft hören, aber kein Regent regiert alleine und wenn seine Politik zerstörerisch genug ist, kriegt er irgendwann auch aus den eigenen Reihen Probleme. Das mag eine Weile dauern, aber je länger die Schrauben dran sind, desto unangenehmer werden sie.
Es hat auch für Iran Vorteile, sich im strategischen Geflecht internationaler Beziehungen als einflussreich zu etablieren. Wer seine Souveränität behalten und verteidigen will, macht am besten deutlich, dass es zu teuer wäre, ihn anzugreifen. Wenn sie die Schrauben einmal so richtig angezogen haben, um allen zu beweisen wie fest sie die kriegen, können sie danach auch wieder lockern um diplomatisches Kapital zu schöpfen - Hauptsache jeder behält im Kopf, wie übel die Alternative zur Diplomatie ist.
Wenn hier Völkerrecht über Bord geht, ist das ein Opfer unbedachter Aggressionen. Ein Verteidiger, der in die Ecke gedrängt wird, will nicht warten, bis ihm ein Grabstein gesetzt wird "Sie waren im Recht". Das erste und oberste strategische Ziel jedes Staats ist das Überleben.
Und wie sollen Indien oder China die USA davon abhalten, ihre militärischen Abenteuer nach eigenem Gutdünken durchzuziehen? China ist doch heute schon strategischer Rivale der Amis und würde die lieber heute als morgen loswerden.
Aus Sicht des Irans machen deren Pläne für den Moment auch Sinn. Aber, und das ist halt mein Punkt, aus spieltheoretischer Sicht eben auch der Schritt der Amerikaner nun als Antwort darauf. Der in Konsequenz dann dazu führt, dass am Ende keiner was hat. Und für die Drittländer ist es von Interesse, dass sich so ein Ansatz nicht etabliert.
Diplomatie ist leider nur so mächtig wie die Druckmittel, die man einsetzen oder zumindest androhen kann, falls der gute Wille versagt. Das sind üblicherweise wirtschaftliche (z.B. Sanktionen) oder militärische Mittel. Sprich: Wenn die USA militärische Abenteuer probiert, können Indien oder China versuchen, wirtschaftliche Daumenschrauben anzusetzen, oder ihrerseits militärisch kontern.
Iran hat nicht die Mittel, militärische Macht bis nach Amerika zu projizieren, und ist wirtschaftlich selbst vergleichsweise unbedeutend. Ihnen bleibt also nur die Option, die Wirtschaft der anderen unter Druck zu setzen.
Warum? Iran hat selbst wenig Nutzen davon, dass die Schiffe passieren, da sie selbst (dank Sanktionen) eh nicht so viel am Ölhandel verdienen wie ihre Nachbarn. Sie waren auch in der Vergangenheit nicht auf die Gelder angewiesen, die sie jetzt abfordern, und können vermutlich auch weiterhin ohne leben. Es geht Iran hier nicht um den eigenen Profit, sondern um den Schaden für die USA und ihre internationalen Beziehungen. Die zusätzliche Blockade trifft sie also nicht groß.
Wen sie noch am ehesten trifft sind die Staaten, die prinzipiell passieren könnten, weil sie keine Verbündeten der USA sind. Ich glaube nicht, dass "Sei mein Freund, sonst..." ein kluger Spielzug ist.
Dass die Gefahr einer Blockade besteht war seit dem ersten Golfkrieg klar, aber Iran hatte bisher wenig Interesse daran, den schwelenden Konflikt zu eskalieren. Das hätte aus einer drohenden Atommacht ein akutes Problem ohne Atomwaffen gemacht und somit all die Profiteure des Ölhandels zum Feind gemacht und vermutlich einen weiteren Krieg angefangen. Solange sie den Ärger nicht eh schon haben, lohnt sich das einfach nicht.
Entsprechend ist es für Drittländer von Interesse, dass sie diesen Ärger weiterhin nicht haben. Der "Iran-Deal" war ein Versuch, die Situation zu entschärfen: Hauptsächlich ging es drum, das Atomwaffenprogramm einzufrieren, wodurch die drohenden Atommacht zumindest gebremst wäre. Aufheben der Sanktionen würde zusätzlich bedeuten, dass Iran doch vom Ölhandel profitieren könnte, und somit auch ein Interesse daran haben, die Straße offen zu halten.
Und dann geht so ein Idiot her, führt die Sanktionen wieder ein, nimmt Iran damit den Grund, das Atomprogramm zu pausieren und den Profit an der Straße, und greift sie an, wodurch obiges "Solange sie den Ärger nicht eh schon haben" wegfällt: Jetzt müssen sie durch die Blockade keinen Krieg befürchten, weil sie ihn eh schon haben.
Das Kind ist also längst im Brunnen. Iran haben unter Zwang bewiesen, wie viel Einfluss sie auf den Ölmarkt haben. Die vorher schwer zu beziffernde Drohung ist jetzt ein handfestes Druckmittel. Wenn der letzte Iran-Deal "Sanktionen gegen Atomprogramm" schon schlecht war, wird der nächste "Sanktionen gegen Ölhandel, aber das Atomprogramm behalte ich diesmal" noch viel beschissener.
Zumindest den Punkt des militärischen Konters können wir wohl begraben. Einer nuklear bewaffneten Vetomacht, die meint, dass für sie die Regeln nicht mehr gelten, ist militärisch von einer anderen Großmacht nicht beizukommen. Das sieht man bei Russland in der Ukraine, das sieht man jetzt bei Trump. In beiden Fällen gibt es zwar Hilfe, aber kein direktes Eingreifen. So war es früher auch schon.
Und die wirtschaftlichen Daumenschrauben werden doch längst bespielt: ob nun "Strafzölle", Importverbote, Joint-Venture-Zwang, jede dieser größeren Mächte nutzt seine wirtschaftlichen Hebel ganz bewusst, um die jeweiligen Konkurrenten zu behindern.
Das verstehe ich ja, aber es ist eben auch wie mit einer Schrotflinte in eine Menschenmenge zu feuern. Klar kannst du dein Ziel dabei treffen, aber primär eben auch die anderen.
Da wäre ich mir nicht so sicher. Sicher verdienen sie nicht so viel wie bspw ein Saudi-Arabien, dennoch sind die Einnahmen aus dem Rohstoffexport ein erheblicher Stützpfeiler der iranischen Wirtschaft. Das Wegbrechen dieser Einnahmen dürfte für erhebliche Verwerfungen sorgen.
So oder so funktioniert der Ansatz der Iraner jedoch nur, wenn ihn nur die Iraner verfolgen. Wenn sie also die einzigen sind, die die Kontrolle über die Straße von Hormus an sich reißen und fortan nach eigenem Ermessen entscheiden, wer zu welchen Konditionen passieren darf. In dieser Situation liegt der Nutzen nur beim Iran und der Schaden nur bei den USA (bzw. eigtl auch bei allen Ländern, die davon betroffen wären). Entscheiden sich die USA nun jedoch, ebenfalls die Straße zu kontrollieren, haben sie zwar keinen wirklichen Nutzen gewonnen (denn der Iran wird mit seiner Blockade dafür sorgen, dass niemand im Sinne der Amerikaner durchkommt) aber damit wird der Schaden auch auf den Iran verteilt, während der ursprüngliche Nutzen verschwindet. Daher gibt es eine große Motivation für die Amerikaner, so zu handeln und es ist aus spieltheoretischer Sicht logisch. Nur noch mal zur Sicherheit: die Vorzeichen "Iran" und "USA" sind für dieses Ergebnis im Übrigen vollkommen unerheblich, es wäre ebenso logisch, wenn stattdessen der Iran so auf eine Blockade + "Maut" der Amerikaner reagieren würde.
Nun haben die Drittländer jedoch diesen Ärger und werden im eignen Interesse gezwungen sein, darauf zu reagieren. Das kann, muss jedoch keinesfalls im Sinne des Irans sein. Die Wette, dass die Weltgemeinschaft in diesem Konflikt nun die USA als die "weichere" Position auffassen werden und diese zu beeinflussen versuchen, ist mindestens gewagt. Das Regime in Teheran steht der "negativen Beliebtheit" eines Trumps nicht unbedingt nach. Es wird sich die Frage stellen, auf welcher Seite man die schnellste/günstigste Lösung vermutet.
Ja, das war eher der Theorie halber. Dass das praktisch nur in Katastrophe enden würde ist uns allen klar.
Ist auch ein schwieriges Spiel, den anderen mehr zu behindern als man sich selbst dafür wirtschaftlich ins eigene Fleisch schneidet. Wir könnten glaube ich alle so viel besser dran sein, wenn nicht dauernd irgendwelche Astlöcher einander ausstechen wollten.
Wenn die anderen einen Aggressionskrieg dulden oder gar unterstützen sind sie aus Sicht des Verteidigers ebenfalls Ziele. Sonst sind sie Kollateralschäden der Notwehr, die das den USA anlasten sollten. Und wenn du nicht nah genug an das Ziel rankommst, um dich präziser zu verteidigen... Bei Ukraine sind wir alle eingesprungen und haben geholfen, aber Palästina schreit seit Jahren vergeblich um Hilfe.
Ja, ist beschissen, aber nicht ihre Schuld.
Laut https://www.worldstopexports.com/worlds-top-oil-exports-country/ waren das in 2024 21k USD. Klingt für mich danach dass der Stützpfeiler schon weggebrochen ist, wodurch wir wieder bei "haben nicht viel zu verlieren" wären.
Ich glaube, der Ansatz ist nicht primär das feine Kontrollieren sondern erstmal überhaupt das Stören. Das auf Dauer im Detail zu kontrollieren wäre erheblicher Aufwand bei der Menge an Schiffen, die normal durchfährt. Das geht, wenn man es als "begrenzte Ausnahme" einer Sperre macht, aber langfristig ist ja auch für Iran das Ziel, das wieder zu öffnen (nur halt nicht auf Kosten ihrer Souveränität).
Deswegen glaube ich nicht, dass das der Plan ist. Es reicht, wenn klar ist, dass sie zumachen können. In der Schrotflintenanalogie: "Solange auf mein Haus geschossen wird, ist die Straße nicht sicher." Und das funktioniert auch wenn andere mitmachen.
Das sehe ich anders.
Die USA haben an der Region hauptsächlich das Interesse, dass Öl und Gas fließen. Das zu blockieren oder zu hemmen würde ihren eigenen Zielen schaden. Klar könnten sie eine Maut verlangen - das wird dann halt auf den Preis aufgeschlagen.
Iran hat hauptsächlich das Interesse, weiterhin zu existieren. Einen Krieg mit den USA zu riskieren würde das gefährden. Sie könnten sich die Blockade nicht leisten, wenn sie nicht eh schon im Kampf um ihr Überleben wären.
Wenn wie statt Iran China einsetzen, würde das schon mehr Sinn machen, von dem Risiko militärischer Eskalation abgesehen.
Selbst wenn die Weltgemeinschaft hinter Trump stünde, würde ein weiterer Golfkrieg massive Kosten fordern und signifikanten Schaden in der Region anrichten. Die Blockade ist ja nicht das einzige militärische Ziel. Bedenke, wie schwer es die Koalition schon in Irak hatte. Dann bedenke, dass Iran doppelt so viele Bürger hat, dreimal so groß ist und viel unwegsames Gelände hat, was eine Offensive auf dem Boden schwierig und teuer machen würde, selbst wenn sie keine Unterstützung von anderen Mächten bekämen, die dem US-Bündnis eine auswischen wollen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich auch die politische Frage: Wie viele tausende Leben wollen wir diesmal opfern, um hoffentlich den Status Quo Ante wieder herzustellen?
(Abgesehen davon: Was hat Iran bei der Wette zu verlieren? Ihre Existenz steht ja schon auf dem Spiel.)
Das Regime in Teheran hat zumindest strategisch weniger den Ruf, unberechenbar und willkürlich wortbrüchig zu sein. Der Deal "Sanktionen gegen Atomwaffen" war für sie vorteilhaft, keine Frage, aber es bestanden vermutlich auch gerade deswegen laut der IAEA keine Indizien, dass sie sich nicht daran gehalten hätten (und verzeih mir, wenn ich den Behauptungen der USA, wer jetzt schon wieder vermeintlich Atomwaffen hätte, nicht mehr uneingeschränkt glaube).
Wenn ich überlege, wen ich aus sicherheitspolitischer Sicht eher beschwichtigen will, rechne ich mir doch bessere Chancen mit "Ich will vor allem überleben" als mit "Ich will alles haben - Kanada, Grönland, eigentlich soll mir die ganze EU zu Füßen liegen, Venezuella hab ich eh schon unterworfen und wer als nächstes dran ist muss ich mir noch einreden lassen - und mir sind alle Zusagen und Bündnisse egal."
Iran wird die Blockade vermutlich im Gegenzug für Konzessionen aufheben. Bei den USA weiß ich nicht, ob die nicht nachher beschließen "Ach weißt du was, so ein Erpressungsschema ist doch eigentlich ganz nett. Fühlt sich nach Macht an. Ich mag Macht."
Ja, Iran ist ein Problem und das Regime ist grausam zu seinen Bürgern. Die USA sitzen da leider gerade im Glashaus. Wir leiden auch drunter, wenn auch bisher weniger. Der ganze Scheiß geht so oder so auf den Nacken der Armen, und in diesem Fall sind die USA der Aggressor. Alle strategischen Überlegungen beiseite wäre das Grund genug, sie genauso zu verurteilen wie Russland.
Das stimmt. Tun sie aber, und offenbar werden es erst mal nicht weniger.
Naja.. alle? Es gibt genügend Länder, die sich vornehm mit der Kritik zurückhalten. Von China, das das mit Rücksicht auf seinen Partner Russland bis heute nicht als "Angriffskrieg" bzw überhaupt "Krieg" bezeichnen will und stattdessen unter der Hand fröhlich dran verdient, bis zum besagten Iran, der auch keinerlei Probleme damit hat, Russlands völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen ein für sie vollkommen unbeschriebenes Land vor unserer Haustür zu unterstützen. Und selbst in Europa haben wir Länder, die erstaunlich viel Verständnis dafür haben, dass Russland einfach mal mit Krieg seine Grenzen verschieben will, wie als wären wir wieder in den 40ern. Und den weitaus meisten Ländern auf der Welt ist es vollkommen egal. Vielleicht allenfalls mahnende Worte vor der UN. Das ist doch die Welt, in der wir längst leben: am Ende interessiert es keinen, gehandelt wird nur unter Zwang oder wenn es opportun ist
Ich hatte von ~1.3 Mio Barrel pro Tag 2025 gelesen.
So wie ich die Äußerungen des Iran verstehe, möchte man das als dauerhaftes System etablieren, um sich eine ständige Einnahmequelle zu eröffnen. Und das wird wohl wenig Anklang bei den anderen Ländern finden. Denn es würde nicht zuletzt ein System normalisieren, nach dem Länder plötzlich nach Gutdünken in das Gemeingut freier Schiffsverkehr eingreifen, um sich zu bereichern. Das ist in niemandes Interesse.
Dann missverstehst du mich vielleicht: es geht mir darum, dass es bei dieser spieltheoretischen Betrachtung egal ist, welche Seite (aus welchen Gründen auch immer) zuerst den Schritt der Blockade + "Maut" geht. In beiden Fällen hat die jeweils andere Seite einen immensen Anreiz, ebenfalls zu blockieren und damit das System des ersten zu zerstören. Vergleich es vielleicht mit Atomwaffen: wenn die eine Seite es nutzen will, muss die andere Seite glaubhaft machen, dass sie es ebenfalls tut. Nur dann entsteht die Situation, dass sich keine Seite mehr einen Nutzen daraus erhoffen kann und darin eine gangbare Option sieht.
Hat er doch schon. Die Amerikaner und Israelis haben den Iran massiv bombardiert, der Iran dafür die Rohstoff-Infrastruktur der anderen Golfstaaten angegriffen. Die Schäden und Kosten, die Eskalation sind längst da, das "Eis" also längst gebrochen.
Wohl niemand ist so willkürlich wortbrüchig wie Trump. Aber ein Iran, der mit Raketen eine 4000km entfernte Militärbasis angreift, obwohl er jahrelang beteuert hat, gar kein Raketenprogramm dieser Reichweite zu besitzen oder anzustreben und deswegen die Sanktionen unberechtigt wären, der sich mit seinem Nuklearprogramm zumindest "sehr intransparent" verhalten hat, steht jetzt in der internationalen Liste des Vertrauens auch nicht wirklich weit oben. Dazu kommt, dass die USA wirtschaftlich erheblich mächtiger sind und sich die wenigsten Länder eine offene Feindschaft mit ihnen leisten können, während der Iran international bereits weitestgehend isoliert ist.
Da hast du Recht, das war falsch formuliert. Eurozentrisch betrachtet wäre das eine rhetorische Hyperbel, aber den Rest der Welt sollte ich natürlich nicht unterschlagen. So ausgedrückt stimmt das schlichtweg nicht.
Der Artikel erwähnt aber auch den verheerenden Effekt der Sanktionen. Wie gesagt: Die Säule scheint schon weggebrochen zu sein, also nicht mehr viel zu verlieren.
Absolut. Der übliche Weg, dem beizukommen, wäre dann Diplomatie unter Androhung (weiterer) Sanktionen oder Gewalt. Und genau das hätte ich als Absicht hinter diesen Äußerungen vermutet: Eine starke Verhandlungsbasis für Diplomatie schaffen.
Sprich: Wenn das positive Equilibrium erst verloren ist, stellt das negative eine Verbesserung / Schadensbegrenzung dar?
Ich denke schon, dass ich dich richtig verstehe; ich halte das jedoch nicht für ein symmetrisches Spiel.
Isoliert betrachtet, ja, volle Blockade negiert den Profit der Maut. Im konkreten Beispiel glaube ich aber, dass der Nutzen der Blockade / Maut für Iran höher ist als für die USA. Die Maut erhöht Ölpreise auf dem Weltmarkt, was auch die USA trifft (oder zumindest ihre Bürger, die Ölhändler freuen sich natürlich).
Da die USA insgesamt mehr Wirtschaftsmacht hat, bringen ihr die Maut-Erlöse weniger; da sie aber mehr Öl verbraucht, trifft die Preiserhöhung sie stärker. Sie einzurichten schadet den US-Interessen, völlig egal wer sie erhebt. Wenn beide das tun und noch weniger durchkommt, steigen die Preise noch weiter, und der wirtschaftliche Druck mit ihnen.
Das Equilibrium hätte ich vielmehr hier gesehen: Wenn Iran die Straße blockiert, egal ob die USA das auch tun, riskieren sie Krieg mit ihnen, weil sie deren Öl-Interessen schaden. Haben die USA erstmal den Krieg begonnen, ist es logisch für Iran, die Straße zu blockieren. Folglich wäre es logischer gewesen, den Krieg gar nicht anzufangen, damit die Gefahr der Eskalation weiterhin als Abschreckung dient, aber so sind sie jetzt in dem negativen Equilibrium gefangen.
Der Ausweg wäre entweder ein Friedensabkommen, das die Straße wieder öffnet, aber schätzungsweise noch übler wäre als der vorige Iran-Deal (von dem mangelnden Vertrauen in die Abkommenstreue der USA mal abgesehen), oder eine Kapitulation der USA, weil sie den Krieg nicht weiter fortführen können (wobei das die Straße nicht öffnen würde, sondern nur dem Iran einen Freifahrtschein für die weitere Kontrolle und entsprechend Hebelkraft für Verhandlungen geben würde).
Bezogen die Sanktionen sich nicht primär auf das Atomprogramm, das Iran laut der IAEA bereits 2003 suspendierte, was sie 2015 abschließend zertifizierten und im Rahmen des JCPOA fortlaufend überwachten, bis die USA 2018 die Sanktionen wieder einsetzten, unter der Behauptung, dass Iran sich...
..., welche von Israel ausging, das aufgrund von persönlichen Interessen keine zuverlässige Quelle darstellt, und der die IAEA entschieden widersprach, unter Verweis auf den erwähnten Bericht und die intensiven Überwachungsmaßnahmen, woraufhin Iran 2019 seine Absicht verkündete, das Programm wieder aufzunehmen, dabei die IAEA-Inspektionen weiter zuließ, jede Überschreitung von Grenzwerten des Abkommens bekanntgab und somit selbst beim Verletzen und Kündigen des Deals das Musterbild der Transparenz war?
Sorry, nachdem Irak offenbar doch keine WMD hatte, neige ich hier eher dazu, der IAEA zu glauben als den Herren "Mein Heiliges Land" und "Ich mag den nicht".
Da hast du recht. Fraglich ist nur, ob der Iran wirklich langfristig auf diese Säule verzichten kann. Die blutig niedergeschlagenen Proteste Anfang des Jahres hatten ihren Ursprung ja in der desolaten wirtschaftlichen Lage.
Die könnte aber auch dazu führen, dass es immensen Druck geben wird, dass man sicherstellt, dass der Iran das nie wieder machen kann. Wir haben schon jetzt Stimmen von anderen Golfstaaten, die klar sagen, dass ein reiner Waffenstillstand nicht reicht, sondern das "Problem" (damit meinen sie Iran bzw dessen Bedrohungspotential) endgültig gelöst werden muss. Mit dieser Ankündigung stellt der Iran in Aussicht, sich auch nach den Kriegshandlungen nicht an bisherige etablierte internationale Regeln halten zu wollen. Das kann auch nach hinten losgehen.
Genau! Bzw sogar noch perfider: nur der Schritt ins negative Äquilibrium eröffnet die Möglichkeit, irgendwann wieder ins positive zu wechseln, da keine Seite mehr vom Ungleichgewicht profitiert.
Natürlich wäre das logischer gewesen. Dieser Krieg ist ja nicht nur illegal, sondern komplett töricht. Außer sinnloser Zerstörung konnte kein einziges strategisches Ziel erreicht werden. Stattdessen sitzt ein Regime, das Anfang des Jahres noch zehntausende seiner Bürger in den Straßen erschoss, um zu überleben, nun fester im Sattel als vorher und die Weltwirtschaft ist im Klammergriff. Aber der Krieg wurde angefangen und nun kann man sich nur noch innerhalb dieser Möglichkeiten entscheiden. Und da ist das negative Gleichgewicht die logischste Alternative für den "Spieler", wenn der andere den Zug der Blockade gemacht hat.
Ein Teil der Bestimmungen der Sanktionen ist, dass der Iran keine Raketen entwickeln oder besitzen darf, die im Zusammenhang mit einem Nuklearwaffenprogramm genutzt werden können. Bisher war die Aussage der iranischen Seite, dass man ein Raketenprogramm dieser Reichweite überhaupt nicht hätte.
Es sind ja nicht nur israelische Quellen, die zu recht sehr skeptisch behandelt werden müssen. Aber zB 2009 wurde die Existenz einer weiteren Anreicherungsanlage in Fordo bekannt, die der Iran bisher vor der IAEO verborgen hatte. Und obwohl der Iran stets ein rein ziviles Atomprogramm beteuert, berichtet die IAEO von mehreren Hundert Kilo auf 60% angereichertem Uran. Für zivile Energiegewinnung ist das nicht nötig. Man muss keinesfalls das Verhalten der Amis oder Israelis gutheißen, aber der Iran verhält sich hier seit Jahren höchst suspekt und intransparent!
Vermutlich nicht, nein. Daher meine Annahme, dass er auf Verhandlungen abzielt, um die Sanktionen loszuwerden. Dann könnte er auch wieder vom Handel profitieren, bräuchte die Einnahmequelle der Zölle weniger und hätte die Drohung weiterhin als Verhandlungsmittel, falls sie ausreichend in die Ecke gedrängt werden, dass sich das wieder lohnen würde.
Klar können die Golfstaaten das sagen. Stellen sie auch die Soldaten, Waffen, Logistik usw.? Wie gesagt, Irak war schon teuer, Iran wird nicht billiger.
Iran ist, global betrachtet, "nur" ein lokales Problem, solange sie keine Atomwaffen haben. Entsprechend unzufrieden waren Saudi-Arabien und Israel bereits mit dem JCPOA, der Iran lokal Freiheiten gewährte im Austausch für globale Sicherheit (zumindest ein Stück weit).
Natürlich werden sie also jetzt Forderungen stellen, die für sie und ihre nationale Sicherheit und Interessen von Vorteil sind, genau wie alle anderen. Ob sie ihre Forderungen letztlich auch durchsetzen können, wird sich zeigen. Ich rechne ihnen da keine hohen Chancen zu - der Rest der Welt wird wahrscheinlich zufrieden sein, wenn sie das Atomproblem eliminiert bekommen - aber ich hab natürlich viel weniger Wissen und Erfahrung als die Diplomaten und Strategen, die solche Stimmen verlauten lassen.
Gut, da werden wir uns wohl nicht einig, aber ich glaube nicht, dass das ein Equilibrium ist, weil es den USA mehr schadet, den Preis noch weiter hochzutreiben.
Die Frage ist letztlich, ob die Einnahmen Irans relativ zu ihrem Haushalt größer sind als der Schaden, den die USA (und andere) durch die doppelte Blockade erleiden. Letzteres ist schwer zu beziffern, wenn nicht absehbar ist, welche politischen Kosten das hat; ersteres ist schwer zu messen, wenn man nichts messen kann. Diese Unsicherheiten ziehen sich halt durch die ganze Situation: es ist ein morbides Poker mit blutigen Einsätzen.
Das waren die Forderungen, die die USA 2017 nachgeschoben hatte. Ich meine, Iran hatte nie verkündet, diesen folgen zu wollen, sondern wollte beim ursprünglichen Deal bleiben, der das nicht vorsah. Reuters zitiert hier eine Forderung an die Europäischen Mächte:
Betonung durch mich hier darauf, dass sie das explizit nicht versprechen wollten. Kann natürlich sein, dass ich seitdem Aussagen übersehen habe.
Auch das erwähnt der Bericht des Direktors von 2015, in dem er zertifizierte, dass Iran in 2015 keine Programme mehr am Laufen habe. Dass die IAEA das vor 2009 nicht wusste ist sekundär, wenn der JCPOA erst ab 2015 umfangreiche Inspektionen ermöglichte. Ihre Untersuchung befand unter anderem:
Ja, richtig, das hat auch der Iran selbst nicht nur 2019 als Absicht erklärt sondern 2022 explizit verkündet nachdem die USA ihre Kooperation 2018 zurückgezogen hatte und die Sanktionen wieder eingesetzt hatte. Unmittelbar davor hatte die IAEA ein Statement veröffentlicht, in dem sie erneut bestätigen, dass Iran das damals (2018) nicht hatte.
Erst nachdem Netanyahu das behauptet hatte, Trump wie ein braver Hund auf den Plan schiss und es ein Jahr später immer noch nicht geschafft hatte, ihnen ein auch nur irgendwie verhandelbares neues Angebot zu machen, haben sie angefangen, die Anschuldigungen wahrzumachen. Gleiches Spiel wie die Straße von Hormuz: Die USA verhängen die Strafe, brechen aus dem Equilibrium aus, und Iran zieht logisch nach.
Iran hatte sich an die Spielregeln gehalten, bis Trump die Regeln unvermittelt ändern wollte, dann nicht mehr mitspielte, alle weiteren Verhandlungen sabotierte und waren selbst dann noch transparent, als sie erklärt haben, dass sie dann auch nicht mehr mitspielen wollen.
Das ist nicht "seit Jahren suspekt". Das ist seit Jahren ein sehr offenes "ihr mich auch".
Ja, aber nur wenn die USA ebenfalls blockieren, wird es wirklich zu einem Problem, das alle Seiten trifft und von dem sich nicht eine Gruppe Länder mit guten Verbindungen zum Iran "freikaufen" können. Du siehst es jetzt ja schon: China hat den Iran eindrücklich gebeten, den freien Schiffsverkehr wieder zu ermöglichen. Ob sie das auch getan hätten, wenn der Iran mit seiner Willkür-Maut ein System geschaffen hätte, was zumindest für die Chinesen funktioniert? Insofern würde ich es schon Äquilibrium nennen, denn es sorgt dafür, dass sich der Druck gleichmäßiger als vorher verteilt und keine Seite den Nachteilen entgehen kann.
Jain. Die UN-Resolution 2231 hatte auch schon Raketen angesprochen. Darum haben sich 2016 auch nicht nur die Amis, sondern auch UK, FR und DE darüber bei der UN beschwert, weil die Raketentests nach Abschluss des Deals für sie gegen diese Bestimmungen verstoßen haben. Die Amis haben es dann danach explizit als Forderung aufgenommen, während es in der ursprünglichen Resolution 2231 nur eine Nebenrolle spielte. Dass auf zumindest einer dieser Raketen groß auf hebräisch "Israel muss vom Angesicht der Erde getilgt werden" geschrieben stand, hat auch nicht unbedingt geholfen..
Warum sollte man das tun? "Ihr unterstellt uns zu unrecht Sachen und zur Strafe machen wir jetzt das, was ihr uns unterstellt!"??
Dass der Iran es öffentlich ankündigt, macht die Sache nicht wirklich besser. Diese Form der Anreicherung macht nur Sinn, wenn man Nuklearwaffen anstrebt. Ärger über Amis hin oder her, dem Iran wurde durch die Weltgemeinschaft im Rahmen der UN diese Bewaffnung verboten. Tut er es trotzdem, und danach sieht es aus, ist er nicht das Opfer, dessen Hand irgendwie geführt wurde, sondern trägt die Verantwortung für seine Taten.
Wie gesagt: die Raketensache ist zumindest umstritten.
Trotzdem haben sie die Sanktionen, die die USA 2018 (wieder) verhängt haben, nicht mitmachen wollen. Aber gut, da haben die Parteien wohl einen Punkt unterschiedlich eingeschätzt.
Nein, bestimmt nicht. Israel sitzt da im Glashaus, aber das rechtfertigt den gegenseitigen Hass nicht wirklich, und Zivilisten ins Ziel zu nehmen schon dreimal nicht.
Die Sanktionen sind die Strafe. Das Atomprogramm ist der Verstoß, der dadurch bestraft werden sollte. Es ging ja nicht nur um Unterstellung, sondern um Bestrafung aufgrund dieser Unterstellung.
In Spieltheorie-Begriffen: Es gab ein Äquilbrium, die USA haben es zerstört weil es Netanyahu nicht gut genug war.
Das Spiel besteht aus den Entscheidungen "Atomwaffen?" für Iran und "Sanktionen?" für die UN (bzw. hier hauptsächlich USA). Das positive Äquilbrium wäre "Nein/Nein" (Kooperation), was auch das Ziel der Resolution war.
Wenn die USA sich aber entscheiden, die Kooperation zu beenden, hat der Iran nichts mehr davon, seinen Teil des Plans weiter durchzuziehen und nachher Arm und unbewaffnet dazustehen. Das Programm wieder aufzunehmen was also ein Versuch, den Gegendruck aufzubauen, damit erneute Verhandlungen nötig sind.
Genau wie die Gegenblockade mag das als strategischer Zug Sinn machen, aber beschissen ist es natürlich trotzdem.
Klar, die Mächtigen wollen nicht teilen. Haben ja auch Ukraine dazu bekommen, ihre abzugeben. Ich kann dem Iran nicht verdenken, dass er den Fehler nicht auch machen will. In unserer Welt heute sind halt Atomwaffen leider die effektivste Abschreckung, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten.
Mein Punkt ist nicht, dass er nicht verantwortlich für seine Taten wäre. Die Sanktionen hatten aber, soweit die Experten das beurteilen, ihren Hauptzweck (Atomwaffen verhindern) erzielt und Iran gezwungen, einzulenken. Die Lösung war nicht optimal, aber die sprichwörtliche Bombe war zumindest entschärft. Wofür ich die USA verantwortlich mache ist, dass sie wieder tickt.
Die Raketensache, ja, war aber nicht der Vorwand, die Sanktionen wieder einzusetzen.
Die Behauptung Netanyahus, auf die hin Trump die Sanktionen hat wieder einsetzen lassen, war, dass Iran eine "geheimes" Atomprogramms vor der IAEA versteckt hätte, wobei die vorgebrachten "Beweise" nur etwas beschrieben, was die IAEA schon kannte.
Die Medien haben das oft brav nachgeplappert. Bei dir hats ja auch funktioniert: Du hattest den Eindruck, dass Iran sich suspekt oder intransparent verhalten hätte, obwohl sie seit mehr als zehn Jahren das Musterbild an Transparenz sind. Mittlerweile halt transparent beschissen.
Weil die Europäer tatsächlich am Abkommen interessiert waren. Aber das hätte ihre Meinung zum Raketenprogramm nicht geändert, denn dieses sahen sie von bisherigen Sanktionen ja gedeckt.
In einer Welt, in der es nur Iran und die USA gibt, würde ich dir zustimmen. Aber der ganzen restlichen Welt den Mittelfinger zu strecken, weil amerikanische Hardliner den Deal beenden (den btw die iranischen Hardliner ebenso kritisch sahen), macht für mich keinen Sinn. Zumal es dabei um eine Waffe geht, die die internationale Gemeinschaft dem Iran nicht durchgehen lassen wird. Der Iran macht sich so zum Feind der Welt und stärkt argumentativ genau die Hardliner und Gegner des Irans, die eine harte Lösung fordern (deren zuerst aus der Luft gegriffenen Behauptungen plötzlich nämlich zutreffen) und verhindert viel effektiver die Rückkehr des Irans ins normale Gefüge der Nationen als es jeder Alleingang der Amerikaner jemals hätte schaffen können. Das ist dumm.
Ich schon. Denn, siehe oben, schreibt der Iran auf seine Raketen nicht etwa "bitte lasst uns leben", sondern "Tod Israel". Ein Land, dessen oberste Führer seit Ewigkeiten direkt und indirekt die Auslöschung eines anderen Staates als Staatsziel formuliert haben, darf und wird so eine Waffe nicht besitzen. Da war sich sogar mal die UN einig. Der Iran könnte heute den Verzicht auf die nukleare Bewaffnung verkünden und diejenigen Staaten, die an einem normalen Verhältnis mit dem Iran interessiert sind, würden direkt normalere Beziehungen mit ihm aufnehmen. Das ist wohl nicht Amerika, aber who cares? Will der Iran stattdessen wirklich auf diesem Hügel sterben?
Es gibt keinen Automatismus zwischen "USA setzen aus innenpolitischen Gründen neue Sanktionen in Kraft" und "Iran schmeißt die Zentrifugen an um waffenfähiges Uran zu produzieren". Die USA haben sich dumm verhalten, indem sie aus dem Abkommen ausgestiegen sind, aber seinen Weg aus dem Abkommen und zur Bombe wiederum ging Iran selber.
Ganz plötzlich war das nicht: Ein Jahr nachdem die USA sich zurückgezogen hat, hat es angefangen anzureichern, Schritt für Schritt eskalierend. Mit Hochdruck, weil du völlig Recht hast, dass der Rest ihnen das nicht einfach so durchgehen lassen will, und Zeit kostbar wird, wenn Sanktionen schon in Kraft sind.
Allerdings hast du auch Recht, dass Nationalismus / Fanatizismus eine Rolle gespielt haben werden. Da könnten wir jetzt spekulieren, welche innenpolitische Rolle das gespielt haben wird, Stärke gegen Israel und die USA zeigen zu wollen. Dumm ist es so oder so, da sind wir uns eh einig.
Das wirft die Frage auf, wie dieses Land sich gegen andere Länder verteidigen soll, die umgekehrt genauso seine Auslöschung im Sinn haben. Ohne die Historie bewerten zu wollen (da sind wir vermutlich eh ähnlicher Ansicht) befinden Iran und Israel sich hier jetzt in der gleichen Patsche: Ein lokaler Rivale will sie vernichten. Israel hat eine Atommacht als Verbündeten. Auf wen kann Iran zählen, sich Israel und damit den USA entgegenzustellen? Und welche Alternative haben sie sonst?
Der Iran wurde jetzt einen Monat lang mit allem bombardiert, was das Arsenal des wohl stärksten Militärs zu bieten hat. Die Schäden sind definitiv da und viel Leid hat es natürlich ebenfalls verursacht. Aber das Land und seine Führung existieren nach wie vor und werden es weiterhin. Weil Bomben alleine keine Staaten kollabieren lassen. Jedenfalls nicht solche von der Größe eines Irans. Und selbst ein Trump ist nicht dumm genug (Stand jetzt, jedenfalls), ein 90 Mio.-Volk auch auf breiter Front am Boden anzugreifen, um damit einen echten Regimewechsel zu erzwingen. Und wer strebt schon ernsthaft die Auslöschung des iranischen Volks an? Das will doch nicht mal ein Republikaner wie Trump. Wenn er stattdessen ein anderes Regime haben kann, denn es ist nur ein paar Dekaden her, da war der Iran/Persien noch ein enger Verbündeter der Amerikaner und hatte als einer der ersten Staaten das Existenzrecht Israels anerkannt. Wer also eigentlich Angst haben muss, sind die Mullahs mit ihrem fundamentalistischen Fanatismus. Aber bei denen gilt, ebenso wie bei den anderen fundamentalistischen und nationalistischen Fanatikern in dieser Gleichung wie Trump und Netanyahu: je schneller die weg sind, desto besser für den Rest, der einfach nur in Frieden leben will.
Das war der (naive) Versuch des Erstschlages: Die Regierung enthaupten damit hoffentlich das Regime kollabiert. Hat halt nicht geklappt, weil das Regime nicht nur aus einem Anführer besteht sondern aus mehreren Institutionen mit verschiedenen Rückfall-Mechanismen um Einzelpersonen zu ersetzen oder zumindest die Aufgaben zeitweise zu übertragen, aber ich glaube nicht, dass Trump die Komplexität von Regierungsformen versteht oder auch nur kennt.
Jetzt stellt sich halt raus, dass es nicht geklappt hat, aber der Krieg ist im Gange und nicht so leicht zu beenden.
Und dann kamen die Islamisten...
Das unterschreib ich ohne Einwände.
Dazu gibt es ein Buch von Robert Pape, einem amerikanischen Politikwissenschaftler, der sich genau der Frage gewidmet hat, ob man nur durch Bombardierungen ein Land zum Kapitulieren bringen kann (seine Antwort: nein). Das Ding ist mittlerweile ein Evergreen und es wird jedes mal wieder neu drauf verwiesen, wenn es doch wieder einer probiert. Trump scheint es auch nicht gelesen zu haben.
Mittlerweile dürfte aber auch er begriffen haben, dass er das Regime nicht zu Fall bringt, ohne einen richtigen Landkrieg zu führen (und selbst dann ist das nicht sicher). Das möchte er nicht, weil sie ihm innenpolitisch jetzt schon aufs Dach steigen und nun will er gesichtswahrend raus aus der Nummer. Aber ich denke, wir sind uns wohl einig, dass realistisch keine dieser Optionen die Auslöschung des iranischen Volkes vorsieht.
Richtig. Mir ging es dabei nur darum, dass Amerikaner die Iraner nicht als ewige Todfeinde sehen, die man zwingend vom Angesicht der Erde tilgen muss. Sondern als Volk, mit dem man früher gut kooperieren konnte und das nur "momentan" unter der Knute eines fanatischen Zirkels steht. Es ist schon ein Unterschied, ob du fundamental das gesamte Volk hasst und es vernichten willst, oder ob du nur die Regierung scheiße findest und diese loswerden willst. Bei ersterem würde eine Atombombe das Volk beschützen, bei letzterem nur das Machtregime.
Das Buch speziell hab ich nich gelesen, aber unter anderem einen Post von Militärhistoriker Dr. Bret Deveraux, der das gleiche Thema unter die Lupe nimmt. Unter anderem kommentiert er im Kontext des Blitzes auf London: "being bombed hardened civilian will to resist." Wenn nach dem ersten Schlag die Iraner noch den Tod von Khamenei gefeiert haben, ist mittlerweile vermutlich jeder gute Wille den Bach aus Blut und Tränen runter.
Ein Kommentar darunter erwähnt auch einen Beitrag von Pape in Foreign Affairs. Den muss ich auch noch lesen. Das Fazit wird wahrscheinlich in allen Fällen das selbe sein: Lufthoheit kann Bodenoperationen unterstützen, aber nicht ersetzen.
Wenn doch, hätte er wahrscheinlich beschlossen, dass das eh Fake News sei. His feelings don't care about your facts ;-)
In diesem Konflikt, und insbesondere aus Sicht der USA wahrscheinlich nicht. Bei den Zionisten bin ich skeptisch, ob sie langfristig mit dem Land westlich des Jordans zufrieden wären, selbst wenn Iran sie darin nicht mehr bedrohen würde, aber zumindest rational betrachtet werden die USA das aktuell nicht anstreben.
Als ich den obigen Post nochmal rausgesucht hab, ist mir unter anderem die Erwähnung der Berliner Blockade von 1948 ins Auge gestochen. Ich frage mich, wie die Welt aussähe, wenn öfter Schoko-Päckchen statt Bomben abgeworfen würden (bzw. allgemein humanitäre Hilfe statt inhumaner Grausamkeit).
Wird hier vermutlich nicht passieren, das Schiff is abgefahren und kommt so bald nicht wieder. Aber vielleicht hätte das mit dem "Regime stürzen" besser geklappt, wenn sie nachhaltige Unterstützung der Bevölkerung hätten. Das würde vielleicht auch eine Bodenkampagne aussichtsreicher machen.
Rational, nein. Wie gesagt, sie sind ein lokales Problem und definitiv eine Bedrohung für ihre Nachbarn, aber für eine imperiale Großmacht eben nur eines von vielen. Wenn sie kein Problem mehr sind (oder sogar Verbündete) wird das zumindest strategisch reichen.
Irrational wird der Hass auf Muslime, Araber und alles andere, was man sonst so in den Topf wirft (ob es dazugehört oder nicht) leider immer mehr geschürt. Ich war kürzlich schockiert, eben diese Forderung in Person mitzubekommen. Ich hoffe mal, dass solche Haltungen nie die Außenpolitik diktieren.