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Der US-Präsident räumte zwar ein, dass die Verhandlungen in Pakistan „gut“ verlaufen seien, erklärte jedoch, Teheran habe sich geweigert, in der Frage seines Atomprogramms Zugeständnisse zu machen.

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[–] Quittenbrot@feddit.org 1 points 1 day ago (1 children)

Wie gesagt: Die Säule scheint schon weggebrochen zu sein, also nicht mehr viel zu verlieren.

Da hast du recht. Fraglich ist nur, ob der Iran wirklich langfristig auf diese Säule verzichten kann. Die blutig niedergeschlagenen Proteste Anfang des Jahres hatten ihren Ursprung ja in der desolaten wirtschaftlichen Lage.

Eine starke Verhandlungsbasis für Diplomatie schaffen.

Die könnte aber auch dazu führen, dass es immensen Druck geben wird, dass man sicherstellt, dass der Iran das nie wieder machen kann. Wir haben schon jetzt Stimmen von anderen Golfstaaten, die klar sagen, dass ein reiner Waffenstillstand nicht reicht, sondern das "Problem" (damit meinen sie Iran bzw dessen Bedrohungspotential) endgültig gelöst werden muss. Mit dieser Ankündigung stellt der Iran in Aussicht, sich auch nach den Kriegshandlungen nicht an bisherige etablierte internationale Regeln halten zu wollen. Das kann auch nach hinten losgehen.

Sprich: Wenn das positive Equilibrium erst verloren ist, stellt das negative eine Verbesserung / Schadensbegrenzung dar?

Genau! Bzw sogar noch perfider: nur der Schritt ins negative Äquilibrium eröffnet die Möglichkeit, irgendwann wieder ins positive zu wechseln, da keine Seite mehr vom Ungleichgewicht profitiert.

Folglich wäre es logischer gewesen, den Krieg gar nicht anzufangen

Natürlich wäre das logischer gewesen. Dieser Krieg ist ja nicht nur illegal, sondern komplett töricht. Außer sinnloser Zerstörung konnte kein einziges strategisches Ziel erreicht werden. Stattdessen sitzt ein Regime, das Anfang des Jahres noch zehntausende seiner Bürger in den Straßen erschoss, um zu überleben, nun fester im Sattel als vorher und die Weltwirtschaft ist im Klammergriff. Aber der Krieg wurde angefangen und nun kann man sich nur noch innerhalb dieser Möglichkeiten entscheiden. Und da ist das negative Gleichgewicht die logischste Alternative für den "Spieler", wenn der andere den Zug der Blockade gemacht hat.

Bezogen die Sanktionen sich nicht primär auf das Atomprogramm

Ein Teil der Bestimmungen der Sanktionen ist, dass der Iran keine Raketen entwickeln oder besitzen darf, die im Zusammenhang mit einem Nuklearwaffenprogramm genutzt werden können. Bisher war die Aussage der iranischen Seite, dass man ein Raketenprogramm dieser Reichweite überhaupt nicht hätte.

welche von Israel ausging, das aufgrund von persönlichen Interessen keine zuverlässige Quelle darstellt

Es sind ja nicht nur israelische Quellen, die zu recht sehr skeptisch behandelt werden müssen. Aber zB 2009 wurde die Existenz einer weiteren Anreicherungsanlage in Fordo bekannt, die der Iran bisher vor der IAEO verborgen hatte. Und obwohl der Iran stets ein rein ziviles Atomprogramm beteuert, berichtet die IAEO von mehreren Hundert Kilo auf 60% angereichertem Uran. Für zivile Energiegewinnung ist das nicht nötig. Man muss keinesfalls das Verhalten der Amis oder Israelis gutheißen, aber der Iran verhält sich hier seit Jahren höchst suspekt und intransparent!

[–] luciferofastora@feddit.org 1 points 1 day ago (1 children)

Fraglich ist nur, ob der Iran wirklich langfristig auf diese Säule verzichten kann.

Vermutlich nicht, nein. Daher meine Annahme, dass er auf Verhandlungen abzielt, um die Sanktionen loszuwerden. Dann könnte er auch wieder vom Handel profitieren, bräuchte die Einnahmequelle der Zölle weniger und hätte die Drohung weiterhin als Verhandlungsmittel, falls sie ausreichend in die Ecke gedrängt werden, dass sich das wieder lohnen würde.

Die könnte aber auch dazu führen, dass es immensen Druck geben wird, dass man sicherstellt, dass der Iran das nie wieder machen kann. Wir haben schon jetzt Stimmen von anderen Golfstaaten, die klar sagen, dass ein reiner Waffenstillstand nicht reicht, sondern das "Problem" (damit meinen sie Iran bzw dessen Bedrohungspotential) endgültig gelöst werden muss.

Klar können die Golfstaaten das sagen. Stellen sie auch die Soldaten, Waffen, Logistik usw.? Wie gesagt, Irak war schon teuer, Iran wird nicht billiger.

Iran ist, global betrachtet, "nur" ein lokales Problem, solange sie keine Atomwaffen haben. Entsprechend unzufrieden waren Saudi-Arabien und Israel bereits mit dem JCPOA, der Iran lokal Freiheiten gewährte im Austausch für globale Sicherheit (zumindest ein Stück weit).

Natürlich werden sie also jetzt Forderungen stellen, die für sie und ihre nationale Sicherheit und Interessen von Vorteil sind, genau wie alle anderen. Ob sie ihre Forderungen letztlich auch durchsetzen können, wird sich zeigen. Ich rechne ihnen da keine hohen Chancen zu - der Rest der Welt wird wahrscheinlich zufrieden sein, wenn sie das Atomproblem eliminiert bekommen - aber ich hab natürlich viel weniger Wissen und Erfahrung als die Diplomaten und Strategen, die solche Stimmen verlauten lassen.

Bzw sogar noch perfider: nur der Schritt ins negative Äquilibrium eröffnet die Möglichkeit, irgendwann wieder ins positive zu wechseln, da keine Seite mehr vom Ungleichgewicht profitiert.

Gut, da werden wir uns wohl nicht einig, aber ich glaube nicht, dass das ein Equilibrium ist, weil es den USA mehr schadet, den Preis noch weiter hochzutreiben.

Die Frage ist letztlich, ob die Einnahmen Irans relativ zu ihrem Haushalt größer sind als der Schaden, den die USA (und andere) durch die doppelte Blockade erleiden. Letzteres ist schwer zu beziffern, wenn nicht absehbar ist, welche politischen Kosten das hat; ersteres ist schwer zu messen, wenn man nichts messen kann. Diese Unsicherheiten ziehen sich halt durch die ganze Situation: es ist ein morbides Poker mit blutigen Einsätzen.

Ein Teil der Bestimmungen der Sanktionen ist, dass der Iran keine Raketen entwickeln oder besitzen darf, die im Zusammenhang mit einem Nuklearwaffenprogramm genutzt werden können.

Das waren die Forderungen, die die USA 2017 nachgeschoben hatte. Ich meine, Iran hatte nie verkündet, diesen folgen zu wollen, sondern wollte beim ursprünglichen Deal bleiben, der das nicht vorsah. Reuters zitiert hier eine Forderung an die Europäischen Mächte:

Ayatollah Ali Khamenei's official website said that he also stipulated European powers must protect Iranian oil sales from U.S. pressure and continue buying Iranian crude, and must promise they would not seek new negotiations on Iran's ballistic missile programme and regional Middle East activities.

Betonung durch mich hier darauf, dass sie das explizit nicht versprechen wollten. Kann natürlich sein, dass ich seitdem Aussagen übersehen habe.

Aber zB 2009 wurde die Existenz einer weiteren Anreicherungsanlage in Fordo bekannt, die der Iran bisher vor der IAEO verborgen hatte.

Auch das erwähnt der Bericht des Direktors von 2015, in dem er zertifizierte, dass Iran in 2015 keine Programme mehr am Laufen habe. Dass die IAEA das vor 2009 nicht wusste ist sekundär, wenn der JCPOA erst ab 2015 umfangreiche Inspektionen ermöglichte. Ihre Untersuchung befand unter anderem:

The Agency has no credible indications of activities in Iran relevant to the development of a nuclear explosive device after 2009. (G.87)

Und obwohl der Iran stets ein rein ziviles Atomprogramm beteuert, berichtet die IAEO von mehreren Hundert Kilo auf 60% angereichertem Uran.

Ja, richtig, das hat auch der Iran selbst nicht nur 2019 als Absicht erklärt sondern 2022 explizit verkündet nachdem die USA ihre Kooperation 2018 zurückgezogen hatte und die Sanktionen wieder eingesetzt hatte. Unmittelbar davor hatte die IAEA ein Statement veröffentlicht, in dem sie erneut bestätigen, dass Iran das damals (2018) nicht hatte.

Erst nachdem Netanyahu das behauptet hatte, Trump wie ein braver Hund auf den Plan schiss und es ein Jahr später immer noch nicht geschafft hatte, ihnen ein auch nur irgendwie verhandelbares neues Angebot zu machen, haben sie angefangen, die Anschuldigungen wahrzumachen. Gleiches Spiel wie die Straße von Hormuz: Die USA verhängen die Strafe, brechen aus dem Equilibrium aus, und Iran zieht logisch nach.

Iran hatte sich an die Spielregeln gehalten, bis Trump die Regeln unvermittelt ändern wollte, dann nicht mehr mitspielte, alle weiteren Verhandlungen sabotierte und waren selbst dann noch transparent, als sie erklärt haben, dass sie dann auch nicht mehr mitspielen wollen.

Das ist nicht "seit Jahren suspekt". Das ist seit Jahren ein sehr offenes "ihr mich auch".

[–] Quittenbrot@feddit.org 1 points 10 hours ago

Die Frage ist letztlich, ob die Einnahmen Irans relativ zu ihrem Haushalt größer sind als der Schaden, den die USA (und andere) durch die doppelte Blockade erleiden.

Ja, aber nur wenn die USA ebenfalls blockieren, wird es wirklich zu einem Problem, das alle Seiten trifft und von dem sich nicht eine Gruppe Länder mit guten Verbindungen zum Iran "freikaufen" können. Du siehst es jetzt ja schon: China hat den Iran eindrücklich gebeten, den freien Schiffsverkehr wieder zu ermöglichen. Ob sie das auch getan hätten, wenn der Iran mit seiner Willkür-Maut ein System geschaffen hätte, was zumindest für die Chinesen funktioniert? Insofern würde ich es schon Äquilibrium nennen, denn es sorgt dafür, dass sich der Druck gleichmäßiger als vorher verteilt und keine Seite den Nachteilen entgehen kann.

Das waren die Forderungen, die die USA 2017 nachgeschoben hatte. Ich meine, Iran hatte nie verkündet, diesen folgen zu wollen, sondern wollte beim ursprünglichen Deal bleiben, der das nicht vorsah.

Jain. Die UN-Resolution 2231 hatte auch schon Raketen angesprochen. Darum haben sich 2016 auch nicht nur die Amis, sondern auch UK, FR und DE darüber bei der UN beschwert, weil die Raketentests nach Abschluss des Deals für sie gegen diese Bestimmungen verstoßen haben. Die Amis haben es dann danach explizit als Forderung aufgenommen, während es in der ursprünglichen Resolution 2231 nur eine Nebenrolle spielte. Dass auf zumindest einer dieser Raketen groß auf hebräisch "Israel muss vom Angesicht der Erde getilgt werden" geschrieben stand, hat auch nicht unbedingt geholfen..

verhandelbares neues Angebot zu machen, haben sie angefangen, die Anschuldigungen wahrzumachen.

Warum sollte man das tun? "Ihr unterstellt uns zu unrecht Sachen und zur Strafe machen wir jetzt das, was ihr uns unterstellt!"??

Ja, richtig, das hat auch der Iran selbst nicht nur 2019 als Absicht erklärt sondern 2022 explizit verkündet nachdem die USA ihre Kooperation 2018 zurückgezogen hatte und die Sanktionen wieder eingesetzt hatte.

Dass der Iran es öffentlich ankündigt, macht die Sache nicht wirklich besser. Diese Form der Anreicherung macht nur Sinn, wenn man Nuklearwaffen anstrebt. Ärger über Amis hin oder her, dem Iran wurde durch die Weltgemeinschaft im Rahmen der UN diese Bewaffnung verboten. Tut er es trotzdem, und danach sieht es aus, ist er nicht das Opfer, dessen Hand irgendwie geführt wurde, sondern trägt die Verantwortung für seine Taten.

Iran hatte sich an die Spielregeln gehalten, bis Trump die Regeln unvermittelt ändern wollte

Wie gesagt: die Raketensache ist zumindest umstritten.