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Ähnlich wie Suchtforscher und Konsumenten fordert der [Kölner] Polizeipräsident Räume, in denen sich Konsumenten aufhalten können, runterkommen, weg von der Straße. Dafür fehle Kommunen wie Köln das Geld, sagt der verantwortliche Gesundheitsdezernent der Stadt Köln, Harald Rau. "Alle diese Maßnahmen, die kosten Geld. Und wenn der Gesundheitsdezernent neue, teure Angebote schaffen möchte, muss er dafür werben, dass irgendjemand dieses Geld bezahlt." ...

Für den Suchtforscher Daniel Deimel ist das alarmierend: "Wir brauchen den politischen Mut, dass man einmal sagt, wir wollen diese Situation so nicht mehr, wie sie ist. Suchthilfe kostet Geld, ja, aber wir müssen uns das leisten, weil es komplett alternativlos ist."

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[–] cows_are_underrated@feddit.org 11 points 1 year ago (1 children)

Ich meine, wie viele Drogentote haben wir aktuell (Alkohol und Tabak eingerechnet)? Wie viele würden wir dann haben

Hier stecken zwei Fehlannahmen drin. Erstens, meine ich mit Legalisieren nicht so wie es bei Alkohol und Tabak der Fall ist. Die Situation ist eine komplette Katastrophe. Was ich mir darunter vorstellen ist eine Reglementierung mit Fachgeschäften, damit ein legaler Zugang immer noch Möglich ist, aber über Gefahren aufgeklärt werden kann und die Drogen nicht an jeder Ecke erhältlich sind.

Zweitens ist es ja bei illegalen Drogen so, dass die Haupt Gefahr die Illegalität ist. Das beginnt bei der Herstellung, wo du nicht weißt mit welchen Chemikalien und unter welchen Hygienestandards gearbeitet wird. Dann kommen natürlich noch die Streckungsmittel hinzu, die teilweise Selber schwere Gesundheitsschäden hervorrufen (Beispiele wären Haarspray oder Sand bei Cannabis, aber Synthetische Drogen werden teils auch mit Dingen wie Rohrreiniger oder Rattengift gestreckt), aber gleichzeitig Sorgen sie zu variierenden Reinheitsgraden. Beispiel: Heroin. Eine Person ist an einen Reinheitsgrad von 80% gewöhnt und weiß wie viel sie nehmen kann ohne zu sterben. Beim nächsten Einkauf erwischt sie dann aber eine Charge mit 90% Reinheit, nimmt die üblichen Dosis, weil sie halt von 80% Reinheit ausgeht, und stirbt anschließend an einer unbeabsichtigten Überdosis. Was auch ein weiteres Risiko des Schwarzmarktes ist, ist Fentanyl (wobei das primär in den USA der Fall ist), welches aufgrund der geringen Beschaffungskosten beigemischt wird um die Gewinnmargen zu erhöhen. Gleichzeitig macht Fentanyl enorm abhängig und sorgt somit dafür, dass Konsumierende Fentanylanhängig werden, ohne dies jemals zu beabsichtigen. Die Konsumenten sind dann somit gezwungen immer und immer wieder zu kommen um den Suchtdruck zu stillen.

Wie würde also eine Legalisierung gegen diese Probleme helfen:
Wenn die Drogen legal erhältlich sind kannst du dir sicher sein, dass die Qualität gut ist. Dass du dir keinen Rohrreiniger spritzt, dass sämtliche Standards um eine Qualität des Produktes sicherzustellen eingehalten wurden und vor allem reicht ein Blick auf die Packung um zu sehen, wie viel Wirkstoff enthalten ist. Das ganze reduziert Gesundheitsschäden durch streckungsmittel und Tote durch Überdosierungen aufgrund von variierenden Reinheitsgraden.

Eine repressive Drogenpolitik sorgt zudem dafür, dass die Hürde um sich Hilfe zu suchen deutlich höher ist. In einer Gesellschaft, wo du keine Angst haben musst, verfolgt oder stigmatisiert zu werden weil du in eine Abhängigkeit gerutscht bist suchen sich Betroffene deutlich seltener Hilfe. Das gilt zum einen für bereits abhängige Personen, als auch für Personen die vielleicht andere Drogen nehmen wollen und sich dann lieber im vornherein informieren.

Zum einen sind die USA riesig und nicht annähernd so flächendeckend besiedelt wie Deutschland oder die EU

Was hat das damit zu tun, dass es immer einen Markt für Drogen geben wird und dieser auch bedient wird. Ob legal oder illegal ist egal.

die polizeilichen Methoden sind anders, es gibt Überwachungsmethoden von denen Mr. Hoover nicht einmal hätte träumen können

Es ist faktisch unmöglich durch Überwachung Kriminalität zu verhindern, ohne dass du nicht jede einzelne Person 24/7 über wächst und faktisch Privatsphäre abschaffst. Ganz egal wie gut dein Überwachungsapparat ist, Kriminelle werden IMMER Wege finden, vor allem wenn sich damit enorm viel Geld machen lässt (was ja bei Drogen der Fall ist). Zudem ist es aufgrund der Globalisierung auch nicht möglich den ganzen Frachtverkehr zu über wachen, einfach aufgrund der schieren Masse. Eine automatisierte Überwachung ist niemals Fehlerfrei und lässt entweder viel durchgehen, oder hat Haufenweise Fehlalarme. Außerdem arbeiten Kartelle ja mittlerweile teilweise mit eigenen U-Booten (gibt da ein gutes Video von Simplicissimus zu) um die Drogen zu schmuggeln. Das endet nur in einem einzigen Katz und Mausspiel, deren Verlierer der Ottonormalbürger ist, weil die Überwachung seine Privatsphäre vernichtet.

Ein Krieg gegen Drogen um die Leute zu zwingen diese nicht zu konsumieren hat noch nie funktioniert und wird auch nie funktionieren.

Wir sollten lieber mal nach Portugal schauen, welches sämtliche Drogen entkriminalisiert hat und weltweit mit die Geringsten Probleme mit Drogenkonsum hat. Niemand der sich ernsthaft mit der Thematik beschäftigt hat sagt, dass eine Prohibition funktioniert.

[–] Der_Mann_mit_Hut@feddit.org -2 points 1 year ago (1 children)

Ok, ich sehe ich habe deinen Punkt mit der kompletten Legalisierung wohl anders verstanden als du ihn gedacht hast.

eine Reglementierung mit Fachgeschäften, damit ein legaler Zugang immer noch Möglich ist, aber über Gefahren aufgeklärt werden kann und die Drogen nicht an jeder Ecke erhältlich sind.

Das ist prinzipiell eine gute Idee, setzt voraus, dass gleichzeitig der illegale Markt beseitigt wird. In dem Sinne kann ich mir schon eine Distribution wie von dir beschrieben vorstellen - mit Alterskontrolle, Aufklärung und co. Gleichzeitig müsste aber der Besitz und Vertrieb von nicht aus offiziellen Quellen stammendem Stoff massiv unterdrückt werden. D.h. du wirst mit nicht in offiziellen Läden verkauftem Stoff erwischt - du fährst ein. Um hier Fälschungen zu verhindern müsste man den Verkauf der Ware personenbasiert tracken, (vielleicht über die Gesundheitskarte?), so dass bei einer Kontrolle schnell überprüfbar ist ob eine Person "legale" Drogen bei sich trägt oder eine (vielleicht billigere) Schwarzproduktion dabei hat.

Es ist faktisch unmöglich durch Überwachung Kriminalität zu verhindern, ohne dass du nicht jede einzelne Person 24/7 über wächst und faktisch Privatsphäre abschaffst. Ganz egal wie gut dein Überwachungsapparat ist, Kriminelle werden IMMER Wege finden...

Man muss Kriminalität ja nicht zu 100% ausrotten (das ist - wie du ja schon schriebst - eh unmöglich), man muss es nur schwierig und unbequem genug machen um sie auf ein gesellschaftlich hinzunehmendes Maß zurückzudrängen. Nur mal als Beispiel (hier aus meiner Kleinstadt):

Wir haben hier einen Stadtpark in dem die Drogenszene über die letzten ~15 Jahre immer mehr gewachsen ist, seinen Höhepunkt hat das ganze erreicht als du (übertrieben gesprochen) über die Konsumenten steigen musstest wenn du deinen Hund ausgeführt hast. Was hat das ganze geändert? Viele, viele Fußstreifen, ein paar Pressewirksam eingetretene Haustüren und Festnahmen. Ich bin mir sicher wir haben hier immer noch eine Drogenszene und entsprechende Dealer... diese ist aber deutlich vorsichtiger geworden.

[–] cows_are_underrated@feddit.org 8 points 1 year ago (1 children)

setzt voraus, dass gleichzeitig der illegale Markt beseitigt wird.

Wenn die Legalisierung gut umgesetzt wird, also mit legaler Produktion und dass die Drogen auch bezahlbar sind, dann trocknet der Schwarzmarkt aus. Es gibt ja eigentlich nur genau dre Gründe, wieso jemand auf den Schwarzmarkt zurückgreift:

  1. Es gibt keine legalen Beschaffungswege

  2. Die legalen Beschaffungswege sind deutlich umständlicher als der Schwarzmarkt

  3. Der Schwarzmarkt ist signifikant günstiger.

Besonders der zweite Punkt ist hierbei enorm wichtig. Das was du vorgeschlagen hast (mit tracking Der Drogen) würde nur dazu führen, dass der Schwarzmarkt weiterhin existiert. Wenn ich durch 10 Ringe springen muss, anschließend fremde Personen nachvollziehen können, wann ich welche Drogen konsumiert habe und jederzeit Angst haben muss, dass wenn ich die Drogen aus der Tüte nehme und die somit nicht mehr "offiziell" sind ich eh verkackt werde, dann werden die allermeisten eher auf den Schwarzmarkt gehen. Solange der Schwarzmarkt eine bessere Verfügbarkeit hat, wird er existieren. Deswegen ist der Gedanke, dass wir alles tun müssen und alle Drogen Tracken müssen, damit alle die vom Schwarzmarkt bestraft werden grundsätzlich falsch. Den Schwarzmarkt kann man nur durch ein besseres Angebot besiegen und nicht indem man weiterhin Konsumierende bestraft.

Das ist übrigens auch der Grund, weshalb es immer noch einen ziemlich Großen Schwarzmarkt für Cannabis gibt. Wenn ich nicht den Platz zum selber anbauen habe, keinen CSC in meiner Nähe bzw zu wenig konsumieren, als dass sich eine Mitgliedschaft lohnt und nicht den Weg über die Telemedizin gehen will, werde ich such weiterhin vom Schwarzmarkt beziehen. Wenn wir mal nach Kannada schauen, wo es lizenzierte Fachgeschäfte gibt, sehen wir, dass dort nur ein winzig kleiner Teil der konsumierenden vom Schwarzmarkt kauft. Und das ohne einen riesen Überwachungsapparat.