this post was submitted on 03 May 2026
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[–] KatherinaReichelt@feddit.org 34 points 3 months ago (3 children)

So weit, so gut. Doch unter vielen Aspekten ist ein Alkoholverbot an Bahnhöfen zu einfach gedacht, denn das strukturelle Problem wird zum größten Teil einfach verdrängt. Häufig sind obdachlose Menschen alkoholkrank und leben teilweise in Bahnhöfen. Kaum bezahlbarer Wohnungsraum, Krankheiten und Arbeitsverlust: Das sind Gründe, weshalb Menschen zur Flasche greifen, um sich von ihrem Leid abzulenken. Ein Alkoholverbot bestraft sie für ihre Krankheit und Lebensumstände. Sollten sie sich an die Regeln halten, können sie sich eben ein paar Straßen weiter betrinken. Das Problem wird in den Bahnhöfen unsichtbar gemacht, aber eben nicht gelöst.

Ich weiß ja nicht. Klar ist das scheiße, wenn Suchtkranke dann keine Hilfe bekommen. Aber gleichzeitig ist es halt schon schwierig, wenn sich die Probleme der Gesellschaft dann in den Bahnhöfen versammeln und andere Menschen sich dort unwohl und unsicher fühlen, weil es dann dort zunehmend auch unsicher ist. Es ist halt richtig kacke, wenn man nachts alleine durch die U-Bahn vorbei an einem Haufen Drogensüchtiger mit Hunden muss. Es ist miese, wenn man im Dunkeln am Bahnsteig wartet und dann dort Betrunkene rumpöbeln und einen ansprechen. Manchmal will man auch einfach nur morgens in Ruhe zur Arbeit und eben nicht von mehreren Leuten angebettelt werden.

Ja, da gibt es definitiv das Bedürfnis, dass wir als Gesellschaft diesen Leuten helfen. Aber das heißt halt noch lange nicht, dass sie im Bahnhof dann saufen, wohnen oder Drogen konsumieren dürfen. Die Funktion eines Bahnhofs ist halt, dass dort sehr viele Menschen ihren Zug bekommen und wenn wir wollen, dass mehr Leute den ÖPNV nutzen, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass mehr Leute sich dort wohl fühlen. Das bedeutet dann aber auch, dass halt nicht auf dem Bahnhofsvorplatz Crack geraucht wird und die Suchtis im Schließfach pennen

[–] brainwashed@feddit.org 15 points 3 months ago* (last edited 3 months ago) (1 children)

Ich verstehe das Verdrängungsargument auch nicht. Niemand behauptet, damit ist den drogensüchtigen geholfen. Und offensichtlich hilft eine extreme Sichtbarkeit des Problems denen ebensowenig.

Ich fühl mich selbst als breit gebauter Mann im Hbf an dem wir häufig sind unwohl. Meine Frau kann ich garnicht überzeugen, den zu passieren, wenns nicht absolut sein muss.

[–] ftbd@feddit.org 7 points 3 months ago (1 children)

Wenn das Problem unsichtbar gemacht wird fällt auch der politische Druck weg, den Menschen tatsächlich zu helfen.

[–] brainwashed@feddit.org 7 points 3 months ago

Das ist ehrlicherweise ein Rezept jeden beliebigen gesellschaftlichen Konflikt auszusitzen. Die Interessen der Reisenden kollidieren hier mit denen der Konsumenten. Das auszugleichen ist Aufgabe der Politik, auch wenn es unterhalb von „Drogensucht wird geheilt“ geschieht.

[–] Sailing7@lemmy.ml 11 points 3 months ago (54 children)

Deine beschreibung mit den Erlebnissen nahe bahnhof war tatsächlich der hauptgrund, weshalb ich trotz jobticket darauf umgestiegen bin nach FFM innenstadt mim auto zu fahren.

Ist in vielerlei hinsicht scheiße für unwelt und die city aber ich wollte das einfach nicht mehr ertragen.

Finanziell dadurch maximal negativ für mich, aber der preis war es mir wert.

Ich mein diese situation hat das fass halt nur zum überlaufen gebracht.

Unzuverlässige bahn, oft keine klimaanlage im sommer. Dann im winter gern mal in offenbach gestrandet sein zu ner gottlosen uhrzeit, weil man mal bissl länger gearbeitet hat und sich jemand auf die bahngleise geworfen hat... da dann ne bus-verbindung für 30km strecke zu finden. Yayyyy

Und mim auto haste deine metallenen 4 wände, klimatisiert, geschützt vor pöblern und sonstigen komischen gestalten. Und wenns mal staut, sitzt du immerhin wenigstens noch in deinem auto und nicht auf irgend nem gruseligen gleis in dunkelheit und bei niedrigen temperaturen fest und betest, dass dein handyakku noch genug dampf hat.

Im auto ist dir so ein stundenlanger stau halt mehr inconveniance anstatt einer gefahr.

Will dass alles nur belichten um mal ne first-hand erfahrung zu teilen, von jemandem der jahrelang mit den öffis in ne metropole gependelt ist und letztendlich aufs auto umgestiegen ist. Also um mal zu zeigen, woher womöglich die vielen autofahrer kommen.

Und gleichzeitig zeigt das halt auch, dass ganz konkret probleme bestehen, die die leute weg von den öffis treiben, hin zum auto. Und die kann man angehen.

Besser beleuchtete bahnhöfe. Actually mal ne strategie für reisende parat halten, wenn mal eine komplette streckensperrung auf einer der größten pendelabschnitten geschieht und auch die kunden darüber informieren...

Und eben halt auch dafür sorgen, dass die innenstädte und vorallem die bahnhöfe angstfrei nach dunkelheit passierbar sind und auch die wege dorthin.

Der autofahrer geht von seinem arbeitsort zu seinem auto, verschließt die türen und fährt los. Der zugfahrer hat ne menge mehr probleme.

[–] KatherinaReichelt@feddit.org 2 points 3 months ago

Ich kann dir da leider nur zustimmen :(

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[–] CyberEgg@discuss.tchncs.de 9 points 3 months ago (2 children)

Ich glaube, kaum jemand dürfte ernsthaft bestreiten, dass Rauschmittelabhängige an öffentlichen Plätzen ein mulmiges Gefühl machen und die eigene, wahrgenommene Sicherheit einen Dämpfer bekommt.
Der Ansatz, diese Menschen von diesen Plätzrn zu vertreiben, steht aber deswegen in der Kritik, weil er das tatsächliche Problem nicht löst, sondern es nur unsichtbar macht, und gleichzeitig Politiker*innen die Gelegenheit gibt, vorzutäuschen tatsächlich etwas anzugehen.

Für das Problem "Rauschmittelabhängige an öffentlichen Plätzen sorgen für ein schlechteres Sicherheitsgefühl (und ggf auch erhöhte Verschmutzung)" gäbe es aber auch einen anderen Ansatz: Menschen helfen, damit sie gar nicht erst in die Situation kommen, abhängig zu werden oder, wenn es doch passiert, ihnen darauszuhelfen.

Das wäre nicht nur der Lösungsansatz, der mehr Menschen hilft, es dürfte langfristig und insgesamt auch der günstigere Ansatz sein, besser für die Volkswirtschaft usw.

[–] KatherinaReichelt@feddit.org 9 points 3 months ago (1 children)

Ich stimme dir zu - aber gleichzeitig ist dann halt auch die Frage, ob das wirklich Aufgabe der Deutschen Bahn ist. Oder ob die Aufgabe der Deutschen Bahn es ist, dass sie für ihre Fahrgäste saubere und angenehme Bahnhöfe bereitstellt, an denen zuverlässig Züge fahren. Und ob es dann nicht Aufgabe des Staates bzw. der Kommunen wäre, dass sie ihre Rauschmittelabhängigen entsprechend von der Straße holen.

[–] CyberEgg@discuss.tchncs.de 7 points 3 months ago

Es ist eine Aufgabe, die man nicht innerhalb einer einzelnen Abteilungen lösen kann, und die Bahn ist nicht einmal die wichtigste Abteilung dabei. Nichtsdestotrotz ist es so, dass die Bahn ein Unternehmen in Staatsbesitz ist und viele Sicherheitsaufgaben an Bahnhöfen auch von der Bundespolizei übernommen und unterstützt werden. Der Staat ist tief in diese Strukturen verwurzelt. Und man hört auch nicht, dass sich Verantwortliche der Bahn oder des BMV an die Innenministerien und Kommunen wenden, um entsprechende Maßnahmen zu fordern.

[–] Lumidaub@feddit.org 6 points 3 months ago (1 children)

Solche Verbote halten meiner Erfahrung nach ungefähr so lange, bis wieder mal Fußball ist.

[–] ragas@lemmy.ml 2 points 3 months ago (1 children)

Deswegen führt man das ja auch kurz vor der WM ein.

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[–] RoflmasterBigPimp@feddit.org 4 points 3 months ago* (last edited 3 months ago) (1 children)

Ich verstehe noch nicht so ganz wie das durchgesetzt werden soll, wenn ich ehrlich bin.

Mit Bußgeldern wird dieses Verbot durchgesetzt: 40 Euro beim ersten Verstoß und bis zu 200 Euro bei Wiederholungen werden eingezogen.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit das jemand der am Bahnhof sitzt, vielleicht sogar lebt, imstande ist Bußgelder zu zahlen? Die Person landet dann früher oder später in Erzwingungshaft und danach wieder auf der Straße.

Reicht das echt um Suchtkranke zu vertreiben?

Ich nehme mal an die sind generell nur dort weil es da halbwegs warm, trocken und beleuchtet ist. Wenn die dort nicht mehr sein dürfen/können/wollen, wo gehen die dann hin? Öffentliche Parks?

Man bräuchte halt echt Konsumräume, wenn man sich schon nicht um das Kernproblem kümmern will.

[–] Sualtam@lemmus.org 2 points 2 months ago

Hamm Hbf hat ein Alkoholverbot auch außerhalb am Vorplatz.

Es geht anscheinend.

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