So weit, so gut. Doch unter vielen Aspekten ist ein Alkoholverbot an Bahnhöfen zu einfach gedacht, denn das strukturelle Problem wird zum größten Teil einfach verdrängt. Häufig sind obdachlose Menschen alkoholkrank und leben teilweise in Bahnhöfen. Kaum bezahlbarer Wohnungsraum, Krankheiten und Arbeitsverlust: Das sind Gründe, weshalb Menschen zur Flasche greifen, um sich von ihrem Leid abzulenken. Ein Alkoholverbot bestraft sie für ihre Krankheit und Lebensumstände. Sollten sie sich an die Regeln halten, können sie sich eben ein paar Straßen weiter betrinken. Das Problem wird in den Bahnhöfen unsichtbar gemacht, aber eben nicht gelöst.
Ich weiß ja nicht. Klar ist das scheiße, wenn Suchtkranke dann keine Hilfe bekommen. Aber gleichzeitig ist es halt schon schwierig, wenn sich die Probleme der Gesellschaft dann in den Bahnhöfen versammeln und andere Menschen sich dort unwohl und unsicher fühlen, weil es dann dort zunehmend auch unsicher ist. Es ist halt richtig kacke, wenn man nachts alleine durch die U-Bahn vorbei an einem Haufen Drogensüchtiger mit Hunden muss. Es ist miese, wenn man im Dunkeln am Bahnsteig wartet und dann dort Betrunkene rumpöbeln und einen ansprechen. Manchmal will man auch einfach nur morgens in Ruhe zur Arbeit und eben nicht von mehreren Leuten angebettelt werden.
Ja, da gibt es definitiv das Bedürfnis, dass wir als Gesellschaft diesen Leuten helfen. Aber das heißt halt noch lange nicht, dass sie im Bahnhof dann saufen, wohnen oder Drogen konsumieren dürfen. Die Funktion eines Bahnhofs ist halt, dass dort sehr viele Menschen ihren Zug bekommen und wenn wir wollen, dass mehr Leute den ÖPNV nutzen, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass mehr Leute sich dort wohl fühlen. Das bedeutet dann aber auch, dass halt nicht auf dem Bahnhofsvorplatz Crack geraucht wird und die Suchtis im Schließfach pennen