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Die Opfer der Gewalt sind tatsächliche oder vermeintliche politische Gegner:innen, queere Menschen, Wohnungslose, insbesondere aber Migrant:innen. So wurde nahezu die Hälfte aller erfassten Angriffe als rassistisch motiviert eingestuft. Robert Schiedewitz spricht inzwischen von einem „Ausnahmezustand“, vergleichbar mit der migrationsfeindlichen Stimmung von 2015 und 2016, als viele Geflüchtete nach Deutschland kamen. Dabei wird schon lange nicht mehr vor Minderjährigen haltgemacht. 18 Prozent der Betroffenen waren jünger als 14 Jahre.
Eine immer besorgniserregendere Rolle spielen nach Angaben von Lobbi extrem rechte Jugendgruppen. Bundesweit bekannt wurden Ermittlungen gegen die Jungnazi-Terrorgruppe Letzte Verteidigungswelle. Zwei Mitglieder aus Mecklenburg-Vorpommern stehen derzeit in Hamburg vor Gericht. Doch auch abseits solcher Fälle markieren rechte Jugendliche in vielen Orten ihre „Dominanzräume“ –„im Zweifel mit Gewalt“, heißt es im Lobbi-Bericht.
Besonders in Städten wie Neubrandenburg und Demmin fallen demnach jugendliche Tätergruppen auf, die teils vernetzt und immer radikaler agieren. Vieles erinnere an die Baseballschlägerjahre der 1990er, als Rechte ganz Ostdeutschland mit Gewalt überzogen.
„Das ist ein Pulverfass“, sagt Schiedewitz. Zu beobachten sei, dass „die nachwachsende Generation den Heldengeschichten ihrer Eltern nacheifert“ und das Bedürfnis hat, „das Ganze noch krasser in Szene zu setzen“. Abgesehen davon gebe es wie damals in den 1990ern eine „erneute wachsende Normalisierung rechter Gewalt“.
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Bundesweit: 80.000 Menschen.
https://www.deutschlandfunk.de/etwa-80-000-bei-demos-fuer-erneuerbare-energien-in-hamburg-koeln-berlin-und-muenchen-100.html